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„Wir waren wie eine Kommune und wenn jemand schrie, dann halfen wir!“



Herr August Oesemann, 73 Jahre, wohnhaft in Bremen, erlebte im Alter von 29 Jahren die Sturmflut am 17.02.1962 in Bremen.

Für Bremer war der Hochwasserschutz schon immer ein Thema und Herr Oesemann, der im Hafen arbeitete, war sich der Gefahren eines Hochwassers bewusst.

Herr Oesemann hielt sich während der Sturmflut im Parzellengebiet in Warturm in Bremen, im Hause der Eltern seines Kollegen, auf, die dort eine Schuhmacherei besaßen. Das Parzellenhaus war halbflach, hatte keinen Keller, jedoch einen Giebel von 80 cm.

Er war abends noch im Hafen Bremens, wo er arbeitete,  und bekam schon dort die ersten Ausläufer der Sturmflut mit. Von dort aus fuhr er gleich ins Parzellengebiet nach Warturm.

Die Polizei drehte dort bereits ihre Runden, um nach dem Rechten zu schauen. Herr Oesemann und sein Kollege verfolgten die Pegelstände am Radio und brachten gleichzeitig eine Wäscheklammer am Deich an, um den Pegelstand selbst beobachten zu können. Währenddessen brachten sie wertvolle Gegenstände wie z.B. den Fernseher im Giebel des kleinen Hauses in Sicherheit.

Ebenfalls füllten sie Säcke mit Sand auf und versuchten, mithilfe der Nachbarn des Parzellengebietes, den Deich zu verstärken. Aber nach nur einer Viertelstunde gaben sie auf, da der komplette Deich zu überschwämmen drohte. Aus dem Radio erfuhren sie, dass der Ochtumdeich  gebrochen war und dann ging es blitzschnell. „Das ganze dauerte nur eine halbe Stunde!“

Als das Wasser immer höher stieg, flüchteten auch sie selbst sich in den Giebel des kleinen Hauses, nahmen ein Federbett zum Wärmen mit und warteten auf den Rückgang der Pegelstände. Währenddessen wollte sich eine Nachbarin in Sicherheit bringen und übersah einen Stacheldraht, der die beiden Grundstücke voneinander trennte und vollkommen mit Wasser bedeckt war und stürzte. Herr Oesemann und sein Kollege stiegen ins eiskalte Wasser und halfen der Frau, die sich vollkommen im Stacheldraht verheddert hatte und ohne ihre Hilfe wahrscheinlich erfroren wäre. Sie brachten sie in Sicherheit und verharrten weiter in dem Giebel.

Soldaten der Bundeswehr brachten später die drei älteren Menschen in Sicherheit und Herr Oesemann und sein Kollege verharrten noch bis morgens um halb acht in dem kleinen Giebel unter dem Federbett. Die Bereitschaftspolizei kam morgens mit blechbeschlagenen Booten angefahren, da die Bundeswehr mit ihren Schlauchbooten immer in den unsichtbaren Stacheldrähten unter Wasser hängen geblieben war, und rettete die letzten Überlebenden, weil deren Frauen, die sich in sicherer Entfernung befanden, Hinweise auf deren Verbleib gegeben hatten.

Abschließend berichtet Herr Oesemann, dass die anschließende Errichtung der Sperrwerke und die Erhöhung der Deiche in Bremen, seiner Meinung nach, geholfen haben, weitere Hochwasserkatastrophen dieser Art zu verhindern, obwohl abermals Pegelstände in der Größenordnung von 1962 erreicht wurden.